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Evangelische Stadtkirche

Der wuchtige Wehrturm ist der älteste Teil der Stadtkirche
Der wuchtige Wehrturm ist der älteste Teil der Stadtkirche
Bild: AJ

Die evangelische Stadtkirche ist nicht nur Symbol einer etwa tausendjährigen christlichen Ortsgeschichte, sondern überragt auf ihrer Anhöhe noch heute jedes andere Gebäude in Westerkappeln. Mit seinem einfachen, aber eindrucksvollen Umriss markiert das romanisch-gotische Bauwerk seit jeher den Mittelpunkt der Gemeinde.

Mitte des 11. Jahrhunderts taucht die Kirche erstmals in Dokumenten der Benediktinerabtei Corvey auf. Das Westerkappelner Gotteshaus gehörte in dieser Zeit zu dem bedeutenden karolingischen Kloster und wird in dessen Einkünfteregistern erwähnt. Wie auch im namensverwandten Ostercappeln wurde in Westerkappeln kurz nach 800 (833?) eine Kapelle als Filiation des Osnabrücker Doms gegründet. Über die Kirchengründung selbst ist soviel wie nichts bekannt. 1948 entdeckte man jedoch bei Bauarbeiten im Fundament des Chors Findlingsblöcke. Dieser Fund führt zu der Vermutung, dass der christliche Gründungsbau wie bei vielen anderen Kirchen über einer (heidnischen) Kultstätte errichtet wurde.

Auch über das Patrozinium, das Schutzheiligtum der Kirche, weiß man wenig. Das Siegel des Westerkappelner Pfarrers zeigte im Jahr 1405 die Heilige Katharina. Ihr ist wohl auch eine Glocke gewidmet worden, was vermuten lässt, dass sie auch – zumindest in dieser Zeit – die Patronin der Stadtkirche war.

Im Jahr 1188 wird Westerkappeln erstmals als Kirchspiel überliefert, das Teil des Bistums Osnabrück war. 1252 fiel die Kirche an das Bistum Münster und wurde 1278 an das Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst übertragen. Von dieser Zeit an fließen historische Nachrichten nur sporadisch. Das Bauwerk dient seit Einführung der Reformation in der Grafschaft Tecklenburg durch Graf Konrad im Jahre 1527 als evangelische Pfarrkirche.

Der Turm

Ältester Teil des Westerkappelner Kirchenbaus ist der massig aufgeführte Westturm, der offenbar unabhängig von der Kirche gebaut wurde.

Der untere Teil des Kirchturms mit dem unregelmäßigen Quadermauerwerk stammt wohl aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Dagegen ist der obere Teil mit seinem plastisch ausgeschnittenen Fries dem 13. Jahrhundert zu zuordnen. Die spitze Turmhaube wurde im 15. Jahrhundert aufgesetzt. Vermutlich war der Turm ursprünglich mit einem niedrigeren Zeltdach bedeckt, ähnlich dem der Dome von Osnabrück oder Münster.

Es gilt als höchstwahrscheinlich, dass der Turm im Hoch– und frühen Spätmittelalter als Zufluchtsort genutzt wurde (Fluchtturm). Hierfür sprechen seine Größe und die Geschlossenheit des kräftigen Mauerwerks, das nur durch schmale Sehschlitze und die Schallfenster der Glockenstube unterbrochen ist. Zweieinhalb Meter über der heutigen Eingangstür erkennt man bei genauem Hinschauen die Umrisse der damals einzigen Zugangsöffnung, die jetzt vermauert ist. Der Turm war also zunächst nur mithilfe einer Leiter zu betreten, die bei Gefahr rechtzeitig eingeholt werden konnte. Ein enger, zirka 90 Meter langer Geheimgang verläuft vom Turm unterirdisch zur östlichen Ortsmitte.

Kirchengrundriss nach Paul Wehnemann,  1958 (Download)
Kirchengrundriss nach Paul Wehnemann, 1958 (Download)
Bild: AJ

Das Kirchenschiff

Wo heute das Mittelschiff und seine mitlaufenden Seitenschiffe stehen – das so genannte Langhaus – soll im 12. Jahrhundert ein einschiffiger Saal gestanden haben. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde dann neu gebaut: Langhaus und Querhaus bildeten von der Grundrissform her ein Kreuz. Von diesem Bau sind heute noch die Südmauer des Langhauses, das südliche Querhaus und die Nordwand des nördlichen Querhauses erhalten.

Weitere Neubauten gab es zwischen 1400 und 1440. Dabei wurde unter anderem die Südwand erhöht. Das neue Kirchenschiff erhielt ein Kreuzgewölbe. Eine Inschrift sagt, dass dies 1509 geschehen sein soll. Die vier Chorfenster sind in ihren oberen Teilen mit einer Fischblase ähnelnden Ornamenten verziert. Experten bezeichnen dies als Fischblasenmaßwerk. An den Steinen des Chores sind Klammerlöcher zu erkennen. Sie dienten für die Zange, womit die schweren Blöcke auf den Bau gezogen wurden.

Das Portal

Zu beiden Seiten des Portals stehen in zwei Nischen verstümmelte Figuren. Sie sind Teil einer Figurengruppe, die im Türsturz beginnt. Sie zeigt Christus als thronenden Weltenrichter. Er wird von einem mandelförmigen Heiligenschein umgeben. Zu seinen Füßen erkennt man ein Ornament, das die Wolken des Himmels darstellen soll. Rechts und links von ihm bitten Maria und Johannes für die Menschen. Die beiden kopflosen weiblichen Figuren sind Symbole der Ecclesia und der Synagoge. Sie sind in der mittelalterlichen Bildwelt die Personifizierungen der siegreichen Kirche und des unterlegenen Judentums.

Die Reformation der Grafschaft Tecklenburg im Jahre 1527 hatte einen Bildersturm in der Region ausgelöst, bei dem viele Heiligenbilder und Wandmalereien zerstört wurden. Aus dieser Zeit stammen auch die Beschädigungen der Figuren aus dem Westerkappelner Kirchenportal.

Das Kircheninnere

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Fotostrecke Evangelische Stadtkirche

Im Innenraum der Kirche sind einige interessante Details zu entdecken. Zwei Wandmalereien an der Nordwand sind bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1896 wieder entdeckt worden. Sie zeigen den heiligen Christophorus und die Kreuztragung Christi mit dem Schweißtuch der heiligen Veronika. Diese Fresken sind wahrscheinlich Anfang des 16. Jahrhunderts entstanden.

Die reich verzierte Barockkanzel wurde der Kirche – laut Inschrift – im Jahr 1701 gestiftet. Am Chor ist eine wappengeschmückte Tür aus dem Jahr 1654 zu sehen. Sie war der Eingang zu einer Privatkapelle, die hinter dem Chor gelegen war. Die drei Kronleuchter stammen aus den Jahren 1681, 1709 und 1737. Am südlichen Anbau sind drei Wanddenkmäler (Epitaphien) verstorbener Adeliger zu erkennen. An den Wänden sieht man Totenschilder verschiedener Adelsfamilien. Die Orgel der Stadtkirche wurde von der Firma Hammer in Hannover gebaut und im Jahr 1960 eingeweiht.

Die Kirche ist nur nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen. Interessenten wenden sich an das Evangelische Gemeindeamt unter Tel. (05404) 96360.

Website der Kirchengemeinde Westerkappeln

Download: Vektorgrafik des Kirchengrundrisses nach Paul Wehnemann als SVG und AI

Quellen:
Text: aj / Hunsche, F.E.: Chronik von Westerkappeln / Weyer, H.: Bekanntes und Unbekanntes aus der Geschichte Westerkappelns; Wehnemann, P. (1958): Die Kirche zu Westerkappeln. Eine baugeschichtliche Betrachtung. Bilder: aj
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Letzte Änderung 31.10.2010   Drucken   Artikel versenden   Bookmark and Share
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