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Das Wappen: Die Heilige Reinhildis

Ein Wappen der Stadt Cappeln tauchte erstmals Ende des 18. Jahrhunderts auf. Schon hierauf war eine Frauengestalt auf rotem Grund abgebildet, die in der einen Hand einen Anker und in der anderen einen Gegenstand hielt, der einem Ährenbüschel glich. Die Gestaltung des Wappens hat sich im Laufe der Zeit verändert, dass Grundmotiv ist jedoch gleich geblieben.

Das Westerkappelner Wappen im Jahre 1940
Das Westerkappelner Wappen im Jahre 1940
Bild: Weyer, Heinz: „Bekanntes und Unbekanntes“"

In der Wappengeschichte vieler Orte aus der Umgebung Westerkappelns taucht ein Anker auf. Er war zunächst Symbol der Grafschaft Lingen, wurde dann aber den Grafen von Tecklenburg übertragen. Nach christlichem Verständnis ist der Anker Sinnbild der Beständigkeit des Glaubens und der Auferstehung. Die Ähren stehen dagegen für die wichtige Landwirtschaft in Westerkappeln und sollen auch Fruchtbarkeit symbolisieren.

Ob es sich bei der Frau im Wappen wirklich um die Heilige Reinhildis von Westerkappeln (auch Reinhild oder Sünte Rendel) handelt, ist umstritten. Immerhin war in dem Siegel des Gemeindepfarrers im Jahr 1405 die Heilige Katharina abgebildet, die zudem in der christlichen Ikonografie oftmals mit einem Palmzweig dargestellt wird. Sie war offenbar die ehemalige Schutzheilige Westerkappelns. Historisch kann die Frage nach der Wappenfigur kaum eindeutig beantwortet werden. Die Ansicht, es sei die Reinhildis, hat sich jedoch schon lange eingebürgert, wohl nicht zuletzt wegen der mit ihr verbundenen Sage.

Die Legende, die sich um Reinhildis rankt, geht auf die im 18. Jahrhundert erschienene Schrift „Westfalia Sancta“ von Michael Strunck zurück, der sich wiederum auf andere Schriftsteller berief:

Die Sage

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts – vor ungefähr 700 Jahren – lebte im Tecklenburger Lande eine fromme Jungfrau mit Namen Reinhildis. Von ihr berichtet die Sage, dass sie auf dem Knüppenhofe in Westerkappeln-Düte geboren wurde. Schon in früher Jugend verlangten Stiefvater und die hartherzige Mutter viele schwere Arbeiten von ihr, die sie unverdrossen ausführte. Wenn aber, während sie auf dem Acker den Pflug führte, die Kirchenglocken zum Gottesdienst riefen, verließ die das Feld und eilte in das Gotteshaus, um zu beten.

Die Pferde zogen ohne Führung den Pflug weiter über den Acker, und wenn sie aus der Kirche heimkam, waren so viele Furchen gezogen, wie ein fleißiger Pflüger während ihrer Abwesenheit kaum hätte pflügen könne. Als die Eltern sahen, wie Gott so wunderbar das Tun ihrer Tochter segnete, verhärteten sich ihre Herzen noch mehr. Sie behandelten Reinhildis nicht nur hart und grausam; sie hielten sie auch noch an Sonntagen und hohen Feiertagen vom Gottesdienst fern.

Als Reinhildis eines Tages andächtig in einen tiefen Brunnen hineinsah, weil der blaue Himmel sich so schön darin spiegelte, schlich sich die Mutter herbei und stieß sie in die Tiefe hinab. Engel aber beschützten Reinhildis und holten sie unverletzt aus dem Brunnen heraus.

Mit Verwunderung und Schrecken sah die Mutter am anderen Morgen, dass die gerettete Tochter wie eine Braut geschmückt am Brunnen saß. Da keimte in dem bösen Herzen der Frau der Entschluss zu einer neuen Freveltat. Sie lockte mit süßen Worten Reinhildis ins Haus, ging mit ihr in einen tiefen Keller, der kalt und düster war, und brachte sie um. Die Leiche verscharrte sie. Zur gleichen Stunde stürzte der Stiefvater tot vom Pferde.

Diese furchtbare Tat aber sollte nicht verborgen bleiben. Über dem Hause, in dem der Frevel begannen worden war, leuchtete so lange ein heller Stern, bis man den Leichnam der Reinhildis fand. Zusammen mit dem Stiefvater wurde sie auf dem Friedhof in Westerkappeln begraben. Reinhildis aber sollte nicht dort in der Erde ruhen. Ihr Leichnam wurde dreimal außerhalb der Friedhofmauer liegend, aufgefunden, nachdem sie dreimal bestattet worden war.

Fromme Männer rieten nun, man möge den Leichnam auf einen Wagen legen, der mit zwei Ochsen bespannt sei. Diese sollten ihn ohne menschliche Führung dorthin bringen, wo er nach Gottes Willen ruhen sollte. Das geschah. Die Ochsen zogen den Wagen in westlicher Richtung. Als sie Ibbenbüren erreichten, fingen dort die Glocken von selbst an zu läuten. Die Ochsen aber blieben nicht eher mit dem Gefährt stehen, bis sie in eine noch unbebaute Gegend kamen. An dieser Stelle wurde Reinhildis begraben; es war die Gegend des jetzigen Dorfes Riesenbeck. Unweit des Grabes sprudelte eine silberhelle Quelle, deren Wasser eine heilkräftige Wirkung gehabt haben soll. Wie die Sage berichtet, soll diese Quelle von den Ochsen gescharrt worden sein. Später errichtete man über der Begräbnisstätte die Riesenbecker Kirche. Darin findet man jetzt noch den Grabstein der heiligen Reinhildis, der zu den schönsten Grabsteinen im ganzen Westfalenlande gezählt wird.

Die Reinhildisquelle in Riesenbeck ist durch den Bau des Dortmund-Ems-Kanals um 1900 leider versiegt. Zwei Jahrzehnte später hat man in der Nähe der Kirche zu Ehren der Reinhildis einen Brunnen in Riesenbeck errichtet. Er zeigt an seinen Seiten Bilder aus dem Leben der Heiligen. Wir sehen zunächst Reinhildis weinend am Brunnen sitzen. Ein anderes Bild zeigt einen Engel am Pflug, während Reinhildis betend in der Kirche weilt. Ein weiteres Bild zeigt einen mit Ochsen bespannten Wagen, auf dem der Sarg mit dem Leichnam der Heiligen steht.

Sonstiges

Reinhildis' Name bedeutet „Rat und Kampf“, ihr Namenstag wird am 30. Mai gefeiert. Mehr Informationen über das Westerkappelner Wappensymbol erhalten Sie in der Publikation „Bekanntes und Unbekanntes aus der Geschichte Westerkappelns“ von Heinz Weyer (Kultur- und Heimatverein Westerkappeln e.V., 1994). Weitere Legenden aus der Region können in Friedrich E. Hunsches „Sagen und Geschichten aus dem Tecklenburger Land“ (1982) nachgelesen werden. Hieraus stammt auch die Sage auf dieser Seite.

Quellen:
Text: Sagen und Geschichten aus dem Tecklenburger Land, Bild 1: Weyer, Heinz: „Bekanntes und Unbekanntes“; Bild 2: Gemeinde Westerkappeln
Letzte Änderung 11.06.2007   Drucken   Artikel versenden   Bookmark and Share
In der Rubrik Geschichte finden Sie außerdem:
Ur- und Frühgeschichte · Römische Kaiserzeit · Urkundliche Geschichte · Ortsbeschreibung von 1797 · Westerkappeln heute
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