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Ortsbeschreibung von 1797

Bei dem folgenden Quelltext handelt es sich um ein Kapitel aus dem Werk „Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie“, erschienen im Jahr 1797. Die Zustandsbeschreibung des „Kirchspiels Cappeln“ informiert über Demographie, Gewerbe und Struktur der damaligen Stadt. Hier finden Sie den originalgetreuen Gesamttext in der entsprechenden Schreibweise, ergänzt durch einige Worterklärungen und Verlinkungen. Die Absatzformatierung wurde zur besseren Lesbarkeit teilweise abgeändert.

3. Das Kirchspiel Cappeln,
wovon auch das (2) Amt den Nahmen Cappeln führt, enthält 1 Stadt, 9 Bauerschaften und 4 adlige Güther. Hier giebts auch gute Torfgräbereyen.

Cappeln, zum Unterschiede eines gleichnamigen osnabrückschen Ortes auch Westercappeln genannt, war ehedem ein Dorf, und erhielt zugleich mit Lengerich Stadtrecht. Diese kleine, aber nahrhafte Stadt, liegt in einer Ebene, und hatte 1787 nur 73 Häuser und mit Einbegriff v. 3 Judenfamilien 370 Einwohner, mit den zum Kirchspiele gehörigen Bsch. und adl. Guth. aber 3249 Seelen. Von den Stadteinwohnern leben nur 23 von 76 Bürgern von Handwerken, unter welchen 1 Huthmacher 45 St. Hüthe für 45 Rthlr. zum inländischen Verbrauch machte, die übrigen aber vom Ackerbaue und von der Zinnen- und Drell Manufactur, welche mit 21 Stühlen und Arbeitern 56 St. Zinnen, am Werth 700 Rthlr. fertigte, wovon nur für 250 Rthlr. im Lande blieben. Am 15. Junius 1779 brannten in Zeit von 3 Stunden 29 Häuser ab, die aber durch Unterstützung der Privatleute sowohl, als durch 6000 Rthlr., welche König Friedrich II. schenkte, besser und feuerfester wieder aufgebaut worden sind. Die heilige Kirche gehört zu den ältesten in Westphalen, und ist ein ganz regelmäßiges, 4 Fuß dick mit Quadern und Außenpfeilern eingefaßtes 42 ½ Fuß hohes Gebäude von 113 Fuß Länge und 42 ½ Fuß Breite im Lichten, und hat inwendig gar keinen Pfeiler. Der Thurm ist in der Mauer 6 Fuß dick, 25 Fuß breit und 121 Fuß hoch. Den Gottesdienst verwalten 2 Prediger und 1 Küster. Der Magistrar besteht aus 1 Bürgermeister, 2 Rath- und 3 Altermännern, ohne Gerichtspflege wie zu Lengerich und die Kämmereneinkünfte betragen gegen 120 Rthlr. In der königl. Accife kommen jährlich gegen 1313 Rthlr. ein, wovon aber nur 420 Rthlr. als Ueberschuß abgeliefert wird.

Die neun zum Kirchspiele gehörigen Bauerschaften heißen: Osterbeck, Westerbeck, Senlich, Metten, Hambüren, Handarpe, Dute, Lada und Seeste; aber die adlichen Güther sind

In diesem Kirchspiele befindet sich auch das Schafberger Steinkohlenbergwerk, welches in Ansehung der Verwaltung mit dem Lingenschen des Dickenberges und Buchholzer Reviers verbunden ist. Es beschäfftigt gegen 20 Menschen, fördert jährlich gegen 20.000 Ringel oder Berliner Scheffel Kohlen und hat gegen 3350 Rthlr. jährlich im Betrieb, wovon die reine Ausbeute auf 1500 Rthlr. beträgt. Die Kohlen liegen unter einer Sandsteinschicht von 18 bis 28 Lachter tief in 2, 2 ½ bis 3 Fuß mächtigen Bänken. Das Wasser kann überall gut gewältiget werden und in den Stuben giebt es keine bösen Wetter. Das Münstersche Salzwerk zu Rheine an der Ems nimmt jährlich allein für mehr als 2000 Rthlr., den Ringel zu 4 ggr., aber die vom Buchholzer Revier gelten nur 2 ggr., weil sie schlechter sind. Der Ertrag vom Schafberger Revier fließt in die Bergwerkscasse nach Ibbenbüren, s. ob. S. 1066 und wird der Lingenschen Domainencasse, auf dessen Etat das Bergwerk ehedem stand, mit 3800 Rthlr. berechnet.

Quellen:
Friedrich Gottlob Leonhardi (1797): Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie, 4. Band, 2. Abteilung, S. 1079-1083. Faksmile bei Google Bücher
Letzte Änderung 22.08.2010   Drucken   Artikel versenden   Bookmark and Share
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Ur- und Frühgeschichte · Römische Kaiserzeit · Urkundliche Geschichte · Das Wappen: Die Heilige Reinhildis · Westerkappeln heute
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